Die erste Steuererklärung

Formular EinkommenssteuererklärungBei diesem Wort sehe ich die Panik in den Augen eines jeden Gründer: Finanzamt! Ist ein wenig berechtigt, das gebe ich zu. Vor allem auch, weil ich damit nichts Persönliches verbinde. Denn wer hat schon einmal seiner Finanzbeamtin die Hand gegeben? Ich schicke da etwas hin, entweder per E-Mail oder per Post und warte gebannt auf Antwort. Besonders auf die allererste Steuererklärung als Selbstständiger.

Die hat schon so manch einem Gründer besondere Schwierigkeiten bereitet. Auch wenn die Umsatzsteuererklärungen regelmäßig abgegeben worden sind und Umsatzsteuervorauszahlungen geleistet wurden… es gibt ja noch die Einkommenssteuer, die gezahlt werden will. Und dafür sollte vorgesorgt, sprich gespart werden.

Das Finanzamt will nämlich, sobald die erste Steuererklärung einmal festgesetzt wurde, beinahe sofort die Steuern für die zurückliegende Zeit und das aktuelle Jahr. Zu Beginn des neuen Jahres wird dann auch eine Vorauszahlung fällig.

In den letzten zwei Jahren habe ich einen Gründer, nennen wir ihn Horst S., begleitet. Er hat den Schritt in die Selbstständigkeit im Juli 2013 getan und arbeitet als freier Berater, Moderator und bietet Fortbildungen in seinem Spezialgebiet an. So hat Horst das gemacht.

Seit Juli 2013     Belegsortierung und Erstellung der Umsatzsteuervoranmeldungen
Für Horst haben wir die hier im Blog bereits beschriebenen Methoden zur Umsatzsteuervoranmeldung genutzt und sind damit gut gefahren.

Seit September 2013     Steuerrücklagen
Horst hat ein separates Konto (Tagesgeldkonto) angelegt, auf dem er regelmäßig Geld zurücklegt, um damit später die Steuerzahlungen begleichen zu können. Horst hatte das Glück, gleich zu Beginn seiner selbstständigen Tätigkeit, ordentliche Umsätze einfahren zu können. Er hat direkt von jedem Umsatz ca. 25% abgezweigt und auf das Steuer-Rücklagenkonto umgebucht.

Und dann? Finger weg! Das Geld gehört nicht dir, sondern dem Staat. Sollte es nachher so sein, dass du weniger Steuern zahlen musst: Fein! Dann hast du etwas gespart. Viele Gründer haben jedoch Null Rücklagen und das bricht leider vielen das Genick. Das Finanzamt – und hier kommen wir wieder zum anonymen Amt – lässt nicht mit sich handeln. Es gibt ein striktes Zahlungsziel. Und daran ist nicht zu rütteln.

Ich sehe dieses Rücklagenkonto als Sparkonto. In diesem Zeitraum rate ich jedem Gründer sich nur sehr wenig „Gehalt“ auszuzahlen und lieber zu sparen. Ist das Geld erst einmal ausgegeben, wird es bei Steuerforderungen eventuell schwierig.

Februar 2014     Zusammenstellung weiterer Belege
Bei Einzelunternehmern werden die Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit in der privaten Einkommenssteuererklärung berücksichtigt. Für den „privaten“ Teil der Steuererklärung sucht man sich, wie üblich, seine Belege zusammen:

  • Versicherungen, Vorsorgeaufwendungen
  • Belege über Zuwendungen zu gemeinnützigen Organisationen (Spenden)
  • Verpflegungsmehraufwendungen
  • … und Sonstiges. Am besten direkt mit dem Steuerberater besprechen.

Der Steuerberater riet Horst, die Verpflegungsmehraufwendungen für seine dienstlichen Fahrten in einer Tabelle einzutragen (Download hier: Vorlage Abrechnung Verpflegungsmehraufwendungen). Das sind Aufwendungen, die entstehen, wenn der Selbstständige sich aus beruflichen Gründen außerhalb seiner regelmäßigen Arbeitsstätte aufhält.

März 2014           Besuch beim Steuerberater
Sämtliche Belege wurden in einem Ordner sortiert übergeben. Der Steuerberater stellte Fragen und forderte weitere Dokumente an.

Mai 2014             Prognose durch den Steuerberater
Nach Erstellung durch den Steuerberater wurde eine Prognose über die zu erwartende Steuerlast gestellt. Nun konnte sich Horst schon einmal ein erstes Bild machen vom Betrag, der auf ihn zukommt.

September 14    Abgabe der ersten Steuererklärung
Horst hätte bis Ende 2014 Zeit gehabt, um die erste Steuererklärung abzugeben. Auch wenn der Steuerberater die Erklärung schon im Mai fertig gestellt hat, unterschreiben und einreichen muss man die erst zum Ende des Jahres. Und das sollte auch gerne ausgenutzt werden. So hatte auch Horst noch ein wenig Zeit, weitere Umsätze zu machen, um liquide Mittel zu haben, die Steuern (und natürlich auch so ganz nebenbei den Lebensunterhalt) zu zahlen.

Oktober 2014    Der Brief vom Finanzamt
Sechs Wochen später war es dann soweit. Im Briefkasten lagen zwei Briefe vom Finanzamt. Es hilft nix: Am besten sofort aufmachen und eine Kopie (Scan) dem Steuerberater zu Kontrolle schicken.

Der erste Brief ist die Festsetzung der Steuerbelastung für 2013. Der zweite Brief – und der ist viel interessanter – beinhaltete die Festsetzung der Steuer-Vorauszahlung für 2014.

Denn der Herr Finanzminister rechnet den in 2013 erwirtschafteten Gewinn für 2014 hoch und will darauf eine Steuer-Vorauszahlung haben. Die Steuererklärung für 2014 wird ja erst in 2015 abgegeben. Das ist ja so, wie im Angestelltenverhältnis. Da zahlt man ja auch jeden Monat eine „Vorauszahlung“ der Steuer, die im kommenden Jahr kontrolliert und endabgerechnet wird.

Im zweiten Brief stand dann auch, dass Horst ab 2015 bitte zu einem bestimmten Stichtag in jedem Quartal eine Vorauszahlung zu leisten hat.

Fazit
Horst war heilfroh, dass er sein Steuerrücklagenkonto hatte und das Geld nicht entweder ausgegeben, angelegt oder investiert hatte.

Der Steuerberater kann bereits nach einigen Monaten der selbstständigen Tätigkeit und mit einer Übersicht der Einnahmen und einer Prognose der Einnahmen bis zum Jahresende eine kleine Übersicht erstellen, wie hoch wohl die Steuerbelastung ausfallen wird. Immer wieder das Gespräch mit dem Steuerberater suchen, um nicht später vor unangenehmen Überraschungen zu stehen.

Und an dieser Stelle wird wieder einmal deutlich, wie wertvoll der Steuerberater gerade auch zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit ist. Das Honorar für den Steuerberater richtet sich nach der Höhe der Umsätze. Es lohnt sich das zu zahlen!

Ruhe und Planungssicherheit
Diese Briefe vom Finanzamt sind eventuell nicht schön und man macht sie nicht gerne auf. Sie bringen aber Ruhe in den Laden und Planungssicherheit für die Zukunft. Ist der erste Schritt mit der Nachzahlung der Steuer erledigt und sind die Vorauszahlungen klar, dann kann der Gründer ganz anders kalkulieren und sich eventuell auch ein ganz anderes (höheres) „Gehalt“ auszahlen.

2 Gedanken zu “Die erste Steuererklärung

  1. Also, wenn man als freier Berater arbeitet und sich somit die Kostensituation vielleicht nur auf ein Firmenwagen reduziert, mag das vielleicht noch machbar sein mit der eigene Steuererklärung. Alles was darüber hinaus geht würde ich ganz einfach professionell machen lassen. Es kommt natürlich immer darauf an, was für einen Umsatz sie erwirtschaften, jedoch ist eine steuerliche Erfassung mit Hilfe einer Steuerberatungsgesellschaft nicht der riesige finanzielle Sprung, wenn man bedenkt wie viel Zeit und Nerven man investiert, klingt das für mich sinnvoll.
    Ich besitze zwei Firmen und will nicht für eine einzige die steuerliche Erfassung machen müssen.
    Mehr Tipps und Tricks für die richtige Steuerberatung und alles rund um die Selbstständigkeit können Sie in diesem Ratgeber finden http://www.ihr-weg-in-die-selbststaendigkeit.de
    Mir hat der Ratgeber bei der ersten Firmengründung und dem weg in die Selbstständigkeit damals sehr geholfen und deswegen mache ich auch gern Werbung für ihn.

    Mit besten grüßen
    Hans

    –> http://www.ihr-weg-in-die.selbststaendigkeit.de

    • Hallo Hans,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Auch in der oben beschriebenen Vorgehensweise ist der Steuerberater die ganze Zeit involviert gewesen. Ich sehe das auch so: Für Steuern gibt es die Experten. Die sollen das machen.

      Viele Grüße
      Frank

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