Medienmacher brauchen mehr Gründungsunterstützung

“Wo sind die Medienmacher von morgen?”
Talkrunde im Rahmen des Medienfests NRW am 23. Juni 2013 in Köln

Foto: Medienfest.NRW / Ralph Sondermann

Christian Rau (links) und Dustin Steinkühler sind junge Selbstständige, die sich den Fragen der Medienfestprogrammleiterin Bettina Baum stellten.

In der Talkrunde ging es darum, festzustellen, welche Wege Medientalente einschlagen können, um sich selbstständig zu machen oder ein Unternehmen zu gründen.

Dustin Steinkühler (Geschäftsführer der überRot Film- und Design-Agentur) beschrieb seinen Weg in die Selbstständigkeit schön mit dem „Zwei-Standbeine-Prinzip“. Nach seinem Studium hatte er in diversen Bereichen Arbeitserfahrung gesammelt, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Er empfiehlt jungen Gründern, das dadurch entstandene große Kontaktnetzwerk zu nutzen. Mit einem Bein kann die Selbstständigkeit mit den eigenen Projekten aufgebaut werden. Mit dem zweite Standbein kann man, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, für ehemalige Arbeitgeber oder ehemalige Kunden kleinere Aufträge ausführen.

Die Branche sucht Talente. Das sagt auch Christian Rau, Inhaber einer Film-Kommunikationsagentur und selbst Regisseur. „Es ist ein langer Weg in die Selbstständigkeit. Und ein sehr individueller.“ Er gibt den Tipp, in viele Bereiche reinzuschnuppern und alles auszuprobieren. Durch eigene Projekte und durch Praktika werden Fachwissen und Arbeitserfahrung erworben.

Als Gründerberater und -förderer nahm Matthias Gräf, Geschäftsführer des Kölner Gründungsinkubators Startplatz, teil. Er sagt, dass es vielen jungen Selbstständigen an Wissen im Gründungsbereich fehlt und dass viele die Gründung zu leichtsinnig angehen. Er wünscht sich mehr Ausbildungsmöglichkeiten für Gründer.

Eine schöne Antwort hatten die Talkgäste auf die Frage nach ihren Businessplänen. “Selbst in der Sowjetunion hatten Fünf-Jahrespläne keinen Erfolg. Wieso sollten sie dann für einen schnelllebigen Gründungsprozess geeignet sein!” Gute und realistische Planung sei natürlich notwendig. Aber einen umfangreichen Businessplan benötige erst einmal nur der, der sich mit Investoren und Banken auseinander setzen will. Es gibt inzwischen andere, auch visuelle Modelle, mit denen ein Unternehmen besser abgebildet werden kann (s. Business Model Canvas).

Das Land NRW ist bei Ausbildungen in Medienberufen sehr gut aufgestellt. Die erste Infoseite dafür ist www.medienkarriere.nrw.de. Weiterhin ist das AV-Gründerzentrum NRW ist die Anlaufstelle für Unternehmertalente im Medienland NRW.  Dort werden junge Gründer und Unternehmer aus der Medienbranche beraten und können sich um ein Stipendium bewerben. Vier der fünf Talkgäste waren Stipendiaten der AV-Gründerzentrums NRW und wissen die Förderung und das Netzwerk sehr zu schätzen.

Ich bin sicher, dass in Zukunft viele Medientalente den Schritt in die Selbstständigkeit wagen werden. Ob Games-Entwickler, Social-Media-Manager oder Youtube-Regisseur: Ausprobieren, von Experten lernen und Netzwerkaufbau sind für mich die drei Kernpunkte für einen erfolgreichen Start als selbstständiger Medienunternehmer.

Gründungsmotivation

Die Motive ändern sich

Im KfW-Gründungsmonitor 2013 werden als Hauptmotive für den Schritt in die Unternehmensgründung und in die Selbstständigkeit angegeben: Ausnutzung einer Geschäftsidee, fehlende Erwerbsalternative, Selbstverwirklichung, pekuniäre Gründe, familiäre / private Gründe, Geschäftsübergabe.

Für mich gehen die Motive “Ausnutzung einer Geschäftsidee” und “Selbstverwirklichung” Hand in Hand. Das beobachte ich bei vielen der jungen Gründer, die ich kenne. Es geht ihnen nicht in allererster Linie ums Geld verdienen. Sie wollen etwas aufbauen. Wollen Unabhängigkeit. Entscheidungsfreiheit. Flexibilität. Und mit all dem mehr Lebensqualität.

Zwei weitere Motive habe ich in letzter Zeit entdeckt, die sich meiner Ansicht nach in der Zukunft noch verstärken werden. Arbeitnehmer, die einige Zeit im Job und vielleicht auch guten / gehobenen Positionen tätig waren, wagen mit dem Schritt in die Selbstständigkeit einen Befreiungsschlag aus den Konzernstrukturen (Downshifting). Und es gibt die “Midlife Boomer”, die in ihrer Lebensmitte noch einmal richtig loslegen wollen.

Downshifting

Zunehmender Zeitdruck, Kommunikationsirrsinn, Meeting, Meeting, Meeting: Viele Arbeitgeber wollen einen Gang zurückschalten und sind bereit auf Karriere und vielleicht zunächst auch Einkommen zu verzichten. Weiterlesen

Netzwerken: Gemeinsam gestalten

Stand: 02.06.2013. Version 1.

„Gemeinsam gestalten“ bezieht sich in diesem Blogtext auf mein Selbstverständnis für das große Thema Netzwerken, sowie die Einladung an alle Leser, mit ihren Kommentaren dazu beizutragen, diesen Text wachsen zu lassen.

In einer Ausschreibung wurde ein Team von fünf Moderatoren gesucht, die im Rahmen einer Veranstaltung parallel Werkstätten moderieren sollten. Mein Netzwerk funktionierte so: Am gleichen Tag, als ich die Ausschreibung entdeckte, rief mich ein befreundeter Moderator an. Wir waren uns gleich einig, dass wir uns auf die Ausschreibung bewerben sollen und überlegten, welche weiteren „Kollegen“ wir mit an Bord haben wollten. Es bedurfte nur einiger weniger Anrufe und zwei Tage später hatte ich die Zusage von vier Moderatoren, von denen ich überzeugt war, dass ihre thematische Expertise großartig zum ausgeschriebenen Auftrag passte. 

Einleitung

Mein Kreis von Verbündeten ist groß. Ich bringe ein natürliches Interesse an Menschen mit. Ich kann nicht anders, als mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ihre Lebensentwürfe kennen zu lernen, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse. Networking heißt für mich in erster Linie Interesse an meinem Gegenüber zeigen und hat sehr viel mit aktivem Zuhören zu tun.

Auch kann ich nicht anders, als für meine Mitmenschen mitzudenken. Wenn in einem Gespräch an einem Tag ein Freund, Bekannter oder Geschäftspartner erwähnt, dass er in Berlin eine Wohnung sucht und drei Tage später in einem anderen Gespräch jemand aus Stuttgart sagt, er kennt jemanden in Berlin, der eine Wohnung vermietet, bringen irgendwelche meiner Gehirnzellen diese Informationen automatisch zusammen. Ist so. Kann ich nicht abstellen.

Netzwerken hat für mich persönlich aber sehr viel mit geben zu tun. Ich habe den Mut, etwas von mir preis zu geben. Ich habe die Möglichkeit, meine Ideen und meine fachliche Kompetenz weiter zu tragen. Ein BWLer würde das als Investition bezeichnen. Netzwerken ist deshalb nichts für missgünstige oder neidische Mitmenschen, die eher alles für sich selbst behalten.

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